Immer zwei und zwei

Von: Tabea Steiner

Natali ist Lehrerin, Mutter zweier kleiner Töchter und fest eingebunden in ihrem Leben und ihrer Glaubensgemeinschaft. Die Freikirche ist fixer Bestandteil der Wochenroutine, vor dem Essen spricht ihr Ehemann Manuel das Gebet und die Kinder gehen selbstverständlich in die Sonntagsschule. Doch alles ändert sich, als sich Natali verliebt — in eine Frau. Einfühlsam und nuanciert zeigt Tabea Steiner auf, wie unglaublich schwierig Natalis Weg ist. Die reduzierte Sprache bietet den nötigen Platz für Ambivalenzen und lässt viele Fragen offen. Dennoch ist Immer zwei und zwei auch ein Angebot zur Annäherung an Glaubensgemeinschaften, die von aussen oft nur schwer zugänglich sind. (ts)

Wirklich sie selbst ist Natali nur, wenn sie im Atelier mit dem Meißel am Alabaster arbeitet. Hier ist sie ehrlich sich selbst gegenüber, erlebt glückliche Momente, hier kann sie sich eingestehen, dass zu Hause einiges in Schieflage geraten ist. Die Enge nimmt ihr den Atem zum Leben, die Abhängigkeit von ihrem Mann wächst. Dass Ehe und Familie auch anders gelebt werden könnten, ist nicht vorgesehen, denn Natali lebt mit ihrer Familie in einer religiösen Gemeinschaft, in der klare Regeln gelten. So bestimmt der Mann, wo die Familie den Urlaub verbringt, und die Kinder lernen in der Sonntagsschule, dass Gott auch ein strafender Gott sei, der genau erkenne, wer in den Himmel komme. Natali wuchs in einer religiösen Familie auf. Dass sie auf die Kunsthochschule wollte, war ein Tabubruch. Doch sie setzte sich durch, um schon bald zurückzukehren, nachdem sie Manuel kennengelernt hatte. Nun jedoch bekommt die heile Welt in der Gemeinschaft zunehmend Risse. Natali öffnet Tür um Tür, sie lernt eine alleinstehende Theologin kennen, sie führt lange Gespräche mit Christof, dem Atelierpartner, sie sieht eine Verantwortung ihren Töchtern gegenüber, die mehr als nur diesen schmalen Ausschnitt der Welt kennenlernen sollen, um sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Und vor allem kann Natali immer weniger verleugnen, dass sie, falls sie so weiterlebt, langsam erstickt. In ihrem zweiten Roman dringt Tabea Steiner tief in die Strukturen einer Glaubensgemeinschaft ein, deckt die unausgesprochenen Gesetzmäßigkeiten auf und begleitet ihre Figuren auf dem schwierigen Weg, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. (edition bücherlese)

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