Im Meer waren wir nie

Von: Meral Kureyshi

Die 37-jährige Ich-Erzählerin in Meral Kureyshis drittem Roman zieht gemeinsam mit ihrer Sandkastenfreundin Sophie deren Sohn Eric gross. Zudem kümmert sie sich um Lili, Sophies Grossmutter. Im Meer waren wir nie stellt tiefsinnige Fragen nach Wert und Stellenwert von Beziehungen. Wer sich auf diese Lektüre einlässt, wird dazu angehalten, starre Vorstellungen und statische Familienkonstellationen zu hinterfragen und stattdessen auf die Elastizität und Wandelbarkeit von Bindungen zu vertrauen. (ts)

Lili zieht ins Altersheim, um ihrem pflegebedürftigen Mann zur Seite zu stehen. Ihre Familie sucht jemanden, der sie regelmäßig besucht und ihr im Alltag hilft. Die Ich-Erzählerin sagt: «Ich bin dieser Jemand.» Sie wohnt mit Lilis Enkelin Sophie im selben Haus, gemeinsam ziehen sie deren achtjährigen Sohn Eric groß. Doch sie hat eine Stelle in einer fernen Stadt gefunden und zögert nun, den beiden zu gestehen, dass sie bald wegziehen wird. Sie kümmert sich um den klugen, besserwisserischen Eric und die stets klagende Lili. Sie führt flüchtige Gespräche mit einem Kellner, der wie sie von anderswo kommt. Gleichzeitig gewöhnt sie sich nur schwer daran, dass ihre zehn Jahre jüngere Schwester kein Kind mehr ist. Sie ringt mit der verblassenden Freundschaft zu Sophie und mit der Tristesse des Altersheims zwischen Temesta und Kartenspiel. Als Lili schließlich stirbt, wagen die jungen Frauen einen Neubeginn. Mit realistischem Blick und poetischer Sprache beleuchtet Meral Kureyshi das Leben von Frauen über mehrere Generationen und entfaltet ein Panoptikum der Familie in der heutigen Zeit. Limmat Verlag

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