Ich bin doch auch ein Tier – Eu sun bain eir sco tü

Von: Leta Semadeni

Der Band Ich bin doch auch ein Tier/Eu sun bain eir sco Tü versammelt eine repräsentative Auswahl aus Leta Semadenis lyrischem Werk. Die Handschrift der Autorin zeigt sich darin auch all jenen, die bisher nur ihre Prosa kennen. So wie sie in ihren Romanen Erinnerungen und Beobachtungen behutsam, zurückhaltend notiert und dabei Lücken lässt, so zeichnen sich die Gedichte durch Verdichtung und Verschiebungen aus, die Raum lassen für eine offene Lektüre. Die Engadiner Dichterin behält sich das Recht auf Unerlöstes, Rätselhaftes vor – fein umweht von leiser Melancholie. (Beat Mazenauer)

Nachwort von Rico Valär

Während in Leta Semadenis Romanen die Lyrikerin unverkennbar ist, kommen in den Gedichten Bilder der Romane zurück: ein Kind, das traumverloren mit einer Ziege spricht, der alte Mann mit den seidenen Füssen, der auf die Jagd ging, der Geruch einer roten Schote, der eine Zeitkapsel aufspringen lässt. Es sind Momentaufnahmen im Hier und Jetzt – ein Gedicht ist mit «Fotografia spontana» überschrieben – oder Streiflichter auf die Kindheit, auf die Bergwelt, wo Rabe, Wolf und Fuchs ein Geheimnis haben. Fast unbemerkt spannt sich der Bogen zu den großen Fragen, den archaischen Zweifeln und den Wundern der Natur, wobei eine Lust am Spiel mit der Illusion und der Sprache immer spürbar bleibt: Vertrautes wird auf den Kopf gestellt, neue Bilder entstehen. Auch eine Anleitung zum Lesen findet sich in dem zweisprachigen Band, der Leta Semadenis schönste Gedichte versammelt: Leg / das Herz / in die Lücke / Spring ohne Netz / auf die nächste / Zeile (Atlantis Verlag)

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