I wett, i chönnt Französisch

Von: Sebastian Steffen

In Astrid sah die Ich-Figur in Sebastian Steffen drittem Buch seine «Zwillingsschwester». Sie wurde als Dreizehnjährige das Opfer eines Sexualmordes. Inzwischen sind fast 30 Jahre vergangen. Aber die Gedanken kehren immer wieder zu Astrid zurück, deren Leiche das Ich beim Fussballspielen fand. In einer von Wiederholungen bestimmten, rhythmisierten lyrischen Prosa in lakonischem, modernem Berndeutsch wird das Gedankengefängnis Sprache. Die Verbalisierung und die Ironie reichen aber nicht aus, die «Wuät i mim Ranze» zu beschwichtigen. Das Buch endet mit einem Gewaltausbruch. Was hat der zur Folge? Das kommt, wie das meiste, was dem Ich seit dem Tod Astrids widerfahren ist, nicht zur Sprache. (dm)

30 Jahre ist es her, dass der Erzähler seine 13-jährige Freundin und Schwester Astrid tot im Maisfeld aufgefunden hat, ermordet. Nicht zuletzt die Frage, ob er damals der Toten noch einen Umschlag mit einem Gutschein entwendet hat, hält ein Karussell aus Reue und schlechtem Gewissen in Gang. Immer wieder breitet sich die dörfliche Szenerie in seinen Vorstellungen aus; Halbwissen, erinnerte Sprachfetzen und der Geist der Zeit treiben ihn um – und zurück zum Schauplatz. Weit weg gehen könnte eine Möglichkeit sein, vergessen. Oder auf einer Alp alles nochmals in Rollen bringen. In einer getriebenen, der Mündlichkeit angelehnten, aber auch sorgfältig tastenden Sprache geht Sebastian Steffens Erzählung den Sirenen eines Verbrechens nach. Brüchig wird der Humor, ausfällig die Trauer, spitzzüngig der Schmerz und tragend die Imagination in diesem eindrucksvollen Sprachkunstwerk. (Der gesunde Menschenversand)

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