I bi nöm bi öich

Von: Martin Frank

I bi nöm bi öich versammelt vier Monologtexte. Zwei davon stammen aus den Jahren um 1980, als auch der Roman erschienen, mit dem sich Martin Frank als innovativer und frecher Mundartautor einen Namen machte: Ter fögi ische souhung. Man findet den adoleszenten Schwulen wieder, der seinen toten Freund betrauert, und auch den unverwechselbaren Ton, eine Mischung aus Kaltschnäuzigkeit und Sentimentalität. In den zwei neueren Texten sind mit dem Autor, der in der Zwischenzeit nur englische und hochdeutschen Bücher veröffentlichte, auch die Helden älter geworden: ein zynischer Computerspezialist und ein pensionierter Richter, der eine spezielle Form von Wohnen im Alter entdeckt. Die gesprochene Sprache wird in einer widerborstigen Art verschriftlicht, welche die Lektüre verlangsamt und Vertrautes fremd erscheinen lässt. Kompromisslosigkeit ist so weiterhin ein Merkmal des Mundartschriftstellers Martin Frank, der einmal nahe daran war, ein populärer Autor zu werden. (Dominik Müller in Viceversa 14, 2020)

mit einem Nachwort von Stefanie Leuenberger

Lesen lernen, ein richtiges Abenteuer. Martin Frank hat es uns schon mit *Ter fögi ische souhung* (1979) und *La Mort de Chevrolet* (1984) erleben lassen, jetzt schafft er das wieder in *I bi nöm bi öich*. Die vier Gedichte stammen aus unterschiedlichen Phasen seines Schaffens, doch gemeinsam ist ihnen das Aufsprengen jeder konventionellen Schreibweise der Mundart. Franks Notation des Gesprochenen macht auf dessen Lautform aufmerksam, jenseits aller Festlegungen der Grammatik, und verleiht seinen Texten eine besondere Poesie. Unkonventionell sind diese nicht nur durch ihre Form, sondern auch und vor allem durch die Figuren, die in ihnen sprechen: Ein um seinen Freund trauernder Mitläufer der «bewegig» («ä schöne buep seit adjö»), ein Animal Liberation Front Autostopper mit seinem kranken Hund («lobo»), ein sich trotzig ausgrenzender, ausgegrenzter Computer-Freak, der Sex sucht und Zuwendung entdeckt («guapoi»), und schliesslich ein Aargauer Gerichtspräsident, dem in seinen letzten Tagen aufgeht, was leben heisst («mläder maasi fater»). (Buchpräsentation Der gesunde Menschenversand)

Mehr zu I bi nöm bi öich