Hinter den Augen

Von: Ulrike Ulrich

Eine Untersuchung soll gemacht werden, um herauszufinden, was der Grund sein könnte für die Sehstörung, unter der die Ich-Erzählerin in Ulrike Ulrichs zweitem Roman Hinter den Augen seit einiger Zeit leidet. Ein Stunde dauert die Magnetresonanztomografie, eine lange Stunde, in der sie sich den existenziellen Fragen aussetzt, die immer auch existenzbedrohend sind. In diesem filigran gearbeiteten Roman verbinden sich Sprache, Erzählweise und Geschichten miteinander. Hier entstehen Inhalte durch Sprache, untersucht wird ein Leben mit Sprache. (lst)

Hinter den Augen
Eine Frau unterzieht sich einer Untersuchung in einem Magnetresonanztomographen: Sie sieht verschwommen, ein möglicher Gehirntumor soll ausgeschlossen werden. In dieser knappen Stunde erzwungener Unbeweglichkeit auf sich selbst zurückgeworfen, schneiden ihre Gedanken analog zu den Aufnahmen des Gerätes quer durch ihr bisheriges Leben, legen Momente von Angst, Schuld und Liebe frei. Tom ist tot. Alma verheiratet. Steven im Fernsehen. Barto schläft sicher noch. Oder wartet er schon auf ihren Anruf? Vielleicht wäre er doch besser mitgekommen. Und ihr Vater? Wieso hat er diesen Satz fallen lassen, dass die Mutter ihn zurückgeholt habe? Was hat er damit gemeint? In sich überlagernden Schnittbildern untersucht Ulrike Ulrich in gewohnt genauer und mit feiner Ironie durchsetzter Sprache die Fragen nach Verantwortung und Schuld, nach Vergebung und Sinnhaftigkeit. Ihr kluger, sensibel gewobener Text wächst und verzweigt sich durch die Labyrinthe menschlicher Beziehungen zu einem tomographischen Roman über die Möglichkeit zur Veränderung. (Klappentext Luftschacht)

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