Herr Anselm

Von: Arno Camenisch

Der Abwart der Dorfschule hält auf dem Friedhof Zwiesprache mit seiner verstorbenen Frau. Er ist gekommen, um ihr von der bevorstehenden Schliessung der Schule zu erzählen, die er seit 33 Jahren wie ein Schiff durch alle Unbilden der Zeit steuert.
Herr Anselm ist eine typische Camenischfigur: Er beobachtet den Lauf der Welt von einem unauffälligen Platz aus, neigt zu Melancholie und zu Nostalgie, und verfügt über einen feinen, subversiven Humor. Ein philosophisches Staunen ergreift ihn angesichts des Sternenhimmels und pragmatisch-philosophisch ist sein Umgang mit den Schülern. Nur wenn er seine Meinungen zu den pädagogischen Reizthemen unserer Zeit zum Besten gibt, flacht er deutlich ab. Stets originell und treffend sind auch in diesem Roman die Sprachbilder, gut gemischt die bekannten Ingredienzien des Autors. (Verena Bühler in Viceversa 14, 2020)

Nach 33 Jahren ist Herr Anselm – die treue Seele auf dem «Schiff», wie er seine Schule nennt – auf der Ehrenrunde: Die Schule in einem kleinen Dorf in den Bündner Bergen soll geschlossen werden. Wir begleiten Herrn Anselm nach einem trockenen und heissen Sommer an einem Nachmittag zu Beginn eines Schuljahres und hören ihm zu, wie er mit seiner verstorbenen Frau über das Wetter und das Wasser spricht, über die Vorbilder, die uns geprägt haben, und die Werte, die uns verbinden. Sein Monolog erzählt mit grosser Liebe, viel Witz und einem ebenso frischen wie herzenswarmen Blick von einer Welt, die verschwindet. Bildstark und präzise schreibt Arno Camenisch auf seine unverkennbar eigenwillige Art vom Werden und Vergehen in einem Tal im Wandel der Zeit. (Buchpräsentation Engeler Verlag)