Helldunkel
Von: Reto Hänny
- Suhrkamp, Frankfurt a.M., 1994
Mit seltener Einmütigkeit wurde diesen Herbst der Ingeborg Bachmann-Preis 1994 dem Bündner Reto Hänny zuerkannt. Er erhielt den Preis für eine Textmontage aus dem Band Helldunkel, der nun als Ganzes vorliegt. Ein Bilderbuch ohne Bilder, dessen Präzision und Ungerührtheit eine von Menschen entleerte Welt widerspiegelt und sie zugleich hintergeht. Ausgehend von Bildern des Fotografen Hans Danusers, die Labore, Bunker und Sezierräume zeigen, erzeugt Reto Hänny einen detailscharf beschreibenden, zugleich reflektierenden Sprachfuror, in den auch literarische Quellen von Dante, Joyce, Kafka, Beckett oder Claude Simon einbeschrieben sind. Helldunkel wird so zum beeindruckend dichten, radikalen, aber auch schwer zugänglichen, sich selbst verschlingenden Sprachkunstwerk. (bm)