Grelle Tage

Von: Selma Kay Matter

Selma Kay Matter ist ein neuer Name in der Schweizer Literatur. Selma Kay Matter hat in Berlin und Hildesheim szenisches Schreiben studiert und debütiert nun im Suhrkamp Verlag mit einem Theaterstück: Grelle Tage. Das Stück erzählt von einer Welt, die in Auflösung begriffen ist. Der Permafrost taut auf und gibt Zeugnisse der Vergangenheit preis. Die junge Jo versucht sich dagegen zu stemmen, doch was geschieht, das übersteigt ihre Kräfte. Grelle Tage lässt verschiedene Prozesse parallel auf der Bühne geschehen, bildhaft und mysteriös, mit offenem Ausgang. (bm)

Es schmilzt, es wankt, etwas ist in unserer Welt längst ins Ungleichgewicht geraten. Das Eis schwindet und hinterlässt Schlamm und Krater. Mammuts werden freigelegt und schnell werden Jäger:innen davon angelockt – endlich können sie Elfenbein verkaufen, ohne zu töten. In *Grelle Tage*, in dem die Geschehnisse stets parallel verlaufen und die Figuren Zeit und Raum mühelos überwinden, taucht auch ein 13000 Jahre alter zerfledderter Wolfshund in einem ausgetrockneten Brandenburger See auf. Dort sitzt Teenager:in Jo, schwitzend und nie mehr schlafend, damit sich die Welt vor den eigenen Augen nicht noch weiter auflöst. Aber das Tauklima hat nicht nur die Böden, sondern auch die Berge in Bewegung versetzt, dem Matterhorn fehlt nun das Horn. Wolfshund und Jo begeben sich gemeinsam auf einen wilden Roadtrip, kaufen im Baumarkt Kies und klauen ein Auto, um das Loch im Berg zu füllen. Aber der zerfledderte Hund verliert beständig an Substanz, obwohl er die Mission unbedingt zu Ende bringen will. Die Zersetzung hat längst begonnen. Selma Kay Matter erzählt vielschichtig und mit leisem Humor eine dystopische Geschichte, die von einer beängstigenden, neuen Mobilität und Deformation unserer Welt handelt. Dabei erfindet Matter eine virtuose und bildhafte Sprache, die sich mit ihren Figuren mehr und mehr auflöst und am Ende fragt: was bleibt? (Suhrkamp Verlag)

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