Gotthard

Von: Zora del Buono

Zora del Buonos Novelle Gotthard hat die Form eines Echtzeitprotokolls, in dem der Handlung wechselnde Figuren ihre Perspektive verleihen. Die Handlung dauert von 6:00 bis 12:23 Uhr eines verhängnisvollen Maimorgens in der Schweiz – plus einige Augenblicke der Rückblende aus einem Berliner Wohnzimmer. Der Eisenbahn-Fan Fritz Bergundthal sitzt im Leinenanzug mit Kamera und Notizbuch an der Gotthard-Passstrasse und registriert die Lokomotiven. Für den 50-jährigen Berliner ist es die abenteuerlichste Reise, die er je gewagt hat. Und auf ihr wird er, um 12:23, den Schock seines Lebens bekommen. In der dunklen Mitte des Berges schmoren und leiden unterdessen die Tunnelbauer. Del Buono skizziert die Figuren mit knappen aber hochpräzisen Beobachtungen, so dass sie plastisch werden und die Einfühlung des Lesers gewinnen, seien sie nun Huren, Freier, Drogendealer, ja vielleicht Mörder. (fb)

Gotthard
Abgründig und komisch, sinnlich und raffiniert erzählt Zora del Buono in _Gotthard_ von den Arbeitern am Gotthardbasistunnel, von einer buchstäblich heißen Arbeitsatmosphäre und einer Leiche im Keller. Fritz Bergundthal, Eisenbahn-Fan aus Berlin und gepflegter, fünfzigjähriger Junggeselle, ist zum Gotthardtunnel ins Tessin gereist, um ein paar spektakuläre Fotos schöner Lokomotiven zu machen. Aber im Laufe eines einzigen Tages, von dem _Gotthard_ erzählt, wird er immer tiefer verstrickt in die freundschaftlich-familiären und erotischen Verwicklungen der Arbeiter rund um die Baustelle des Gotthardbasistunnels. Da sind die immer noch fesche, schrill alternde Dora Polli-Müller und ihre burschikose Tochter Flavia, Robert Filz mit seiner obsessiven Liebe zur brasilianischen Hure Mônica, Aldo Polli und Tonino, die in einer merkwürdigen, spannungsgeladenen Abhängigkeit aufeinander fixiert sind. Und die Heilige Barbara, Schutzgöttin der Tunnelbauer, ist gestohlen worden. Ein böses Omen, was sich im Laufe dieses Tages grässlich bewahrheiten wird. (Buchpräsentation C.H.Beck)

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