Golem

Von: Monica Schwenk

Korrektoren sind sprachliche Pedanten, akribisch fahnden sie nach orthographischen und grammatikalischen Fehlern, die sie mit ihren sonderlichen Zeichen berichtigen. Was in Texten gut gelingt, misslingt mitunter jedoch im Leben. In der edition pudelundpinscher sind zwei neue Bücher erschienen, in denen solche Pedanterie auf emotionale Abwege führt. Karl Koenig in Koenigs Weg von Thomas Heimgartner und Irene Troggenmoos in Golem von Monica Schwenk versuchen mit ganz unterschiedlichem Erfolg, mit den Syntaxfehler des eigenen Lebens zurecht zu kommen. (bm)

Dieses Textmodul, wie Monica Schwenk den vorliegenden Kurzroman bezeichnet, porträtiert Irene Troggenmoos, eine Figur, die schon im Roman *Gogi. Drei Zeugnisse der Mühen im Leben von Korrektor Schaffner* (pudelundpinscher, 2015) einen Auftritt hatte. Irene, das älteste von drei Geschwistern, geht in die Schule, passt sich an, studiert, passt sich an, jobbt, passt sich an – und eckt trotzdem regelmässig an, anders als ihr hochbegabter Bruder, anders als ihre rundum wohlgeratene Schwester. Das weckt Neid in ihr, erzeugt das Gefühl, benachteiligt, vom Schicksal vernachlässigt zu sein. Ihren Gogi, ihre Jugendliebe, kann sie nicht vergessen, aber nie antwortet er auf ihre Briefe. Und wie im Roman *Gogi* herrscht auch in *Golem* eine düstere Stimmung, die von einer nur leicht dystopisch anmutenden Überwachungs- und Bewertungsapp zusätzlich verfinstert wird. (pudelundpinscher)

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