giftland

Von: Dominic Oppliger

Der Schlagzeuger Sämi tourt mit seiner Band kreuz und quer durch die USA. Die Wege zwischen den Auftritten sind lang und langweilig, Sämi aber öffnen sie die Augen. Als er erkennt, wie sich die Räder der vorbeirauschenden Autos visuell rückwärts drehen, beginnt er, sein Leben rückwärts zu erinnern, und bald darauf fängt er an, selbst rückwärts zu gehen. Oppligers giftland erzählt mit feiner Melancholie und einer Dialektsprache, für die der Autor eine ganz und gar eigensinnige Schreibweise gefunden hat. Eine Bandtour wrid darin zur Lebensmetapher. (bm)

Musik ist dieses Buch, inhaltlich, formal, sprachlich. Der Schlagzeuger Sämi tourt mit einer Band durch die USA, «die ganz wält taktet», wenn ihr Van über die Highways braust. Sämis Wahrnehmungs- und Gedankenloops takten, der Text taktet in seinen Episoden und Refrains, und es takten auch die Wörter in ihrer phonetischen Schreibung. In ironischem Kontrast zu unserem Lese- und Hörvergnügen erlebt Sämi Enttäuschung und Verdruss. Das ersehnte «On the road» wird ihm zur schalen Routine, «e trättmüli /es laufrad». Er setzt der voranstürmenden Tour Rückwärtsbewegungen entgegen, spult seine Reise und sein Leben zurück wie in seinen Videos und geht rückwärts, bis sogar die Band rückwärts spielt. Durch die sich dabei ergebenden Slapstick-Kapriolen gewinnt der Text über die präzisen Bilder der vorbeirauschenden Szenen hinaus auch filmische Qualität. Zugleich erweist sich Sämis rückspulende Rebellion als tragikomische Demontage des amerikanischen Traums. (Der gesunde Menschenversand)

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