Giacometti hinkt

Von: Isolde Schaad

Isolde Schaads neuer Erzählband Giacometti hinkt untersucht menschliche Gangarten – wie wir durch die Welt hinken, schlurfen, marschieren, trampen und traben. So wird das vermeintlich Selbstverständlichste, Alltäglichste unter Schaads Blick zu einem gesellschaftlichen Symptom. Die Erzählungen sprühen nur so von Einfällen, Frechheit und Humor. Doch wie immer in Isolde Schaads Prosa liegt darunter eine harte Gesellschaftsanalyse. Mutig und widerständig nennt sie die Dinge beim Namen und wirft Fragen zu unserem Zusammenleben auf, die etwa so angenehm sind wie ein Hühnerauge am Fuss. (Christine Lötscher in Viceversa 14, 2020)

Giacometti? Das ist doch der mit den baumlangen Elendsgestalten, dem die Kunstwelt weltweit zu Füssen liegt? Bloss nicht der Student Luis K., der seine liebe Mühe damit hat. Der Sohn einer alleinstehenden Mutter, die diesen Alberto G. anhimmelt, macht sich seinen eigenen Reim auf dieses Werk und seine ungezählten Publikationen. Er gerät dabei auf eine abenteuerliche Fährte, die ihn bis nach Paris lotst; schliesslich mischt er mit einer kühnen These über G. die einheimische Kunstwelt gehörig auf. Auch die andern Heldinnen dieses Buches sind mit einem unkonventionellen Lebensentwurf zugange, für den sie kein soziales Wagnis scheuen. Helen G., Nationalrätin der Grünen, durchmisst die halbe Stadt, um die verhassten Militärschuhe ihres Mannes loszuwerden. Laura M., die gewitzte Anwältin, die nach einer gescheiterten Passion den Rollator zum Lebenspartner ernennt, macht mit einer Entführung aus einem Alters und Pflegeheim Furore. Und der plötzliche Abgang der beliebten Dozentin Claire H. setzt eine Hausgemeinschaft in Aufruhr. Rasant und packend erzählt Isolde Schaad von den modernen Gangarten in der grossen Kleinstadt und würzt sie mit Betrachtungen aus der Fussgängerpassage. (Buchpräsentation Limmat Verlag)

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