Der Schriftsteller, Übersetzer und Literaturwissenschaftler Felix Philipp Ingold (geb. 1942) hat in den letzten 40 Jahren ein respektables Werk publiziert, das Gedichte, Prosa und Essays sowie zahlreiche Übersetzungen vorab aus dem Russischen und Französischen umfasst. Sein opulentes Buch _Gegengabe_ legt von diesem Reichtum Zeugnis ab.
Felix Philipp Ingold gibt sich darin als ebenso leidenschaftlicher wie kritischer Wortarbeiter zu erkennen. Er denkt über das Handwerk der Literatur nach, reflektiert Lektüren und gibt Kostproben seiner poetischen Arbeit, in der Mehrzahl Übersetzungen. In längeren Erörterungen etwa über Samuel Beckett, über den «Verrat» des Übersetzens oder über poetisches «Sprachdesign» demonstriert er, dass Lesen-Schreiben-Denken für ihn eine untrennbare Einheit bilden. In der Sache braucht man ihm gar nicht immer recht zu geben, seine Argumentationen fordern auch dann Respekt ab, wenn sie Widerspruch provozieren. Seine bedingungslose Vorliebe gilt dabei den Autoren der klassischen Moderne, namentlich Char, Pinget, Blanchot, Valéry, Nabokov, Canetti oder Beckett.
Zwischen Essays, Gedichten und Gedankensplittern wird immer wieder auch Persönliches erkennbar: Traumszenen, oder Spaziergänge in der idyllischen Umgebung von Ingolds Haus in Romainmôtier.
_Gegengabe_ ist ein vielgestaltig schillerndes, höchst anregendes Lesebuch, das Seite um Seite mit Gedichten, essayistischen Betrachtungen und bemerkenswerten Anekdoten aufwartet und so eine formenstrenge Poetik entfaltet, in der sich der präzise Analytiker Ingold selbst spiegelt.