Für Seka

Von: Mina Hava

Die Familie von Seka ist in den 1970er-Jahren aus Bosnien in die Schweiz emigriert. Die Erinnerung an die alte Heimat lastet aber auch Jahrzehnte später noch wie ein Schatten auf ihr. Deshalb macht sich Seka anhand von Fotos, von Erinnerungen und von Lektüren auf die Suche nach der brüchigen, schmerzhaften Vergangenheit, für die das serbische Gefangenenlager Omarska als schreckliches Symbol steht. Mina Havas beeindruckender Debütroman ist eine fragmentierte, komplexe und vor allem sehr überzeugende Recherche, die die Erfahrung des Schmerzes nur berichten, nicht schmälern kann. (bm)

Übrig geblieben sind ihr nur ein Briefumschlag mit einer Handvoll Fotografien und die Angst vor dem Vater, die Sorge um ihre Mutter und ihren Bruder, die Knoten in ihrer Brust. Seka sucht mit Anfang zwanzig nach den Spuren ihrer zerbrochenen Familie und ihres bisherigen Lebens. Sie rekonstruiert den Weg ihrer Eltern aus Bosnien in die Schweiz und fragt nach den Verbindungen, den Fäden zu ihr. Dabei stößt sie auf das Gefangenenlager in Omarska in den neunziger Jahren und einen Brief, der sie weiter nach Den Haag und Genf führt, später ins Berner Oberland. Und sie stellt fest, dass in Omarska heute Erz in den Minen abgebaut wird, als hätte es die Geschichte nicht gegeben, die eines fast schon vergessenen Krieges in Europa. Dabei wirken die Versehrungen der Vergangenheit bis in die Gegenwart fort. Mina Hava verknüpft in ihrem Debütroman historisches Material, Recherche- und Rekonstruktionsarbeit mit persönlichen Erfahrungen, Verlusten und Ängsten – und beleuchtet, was Geschichte bedeutet für Landschaften und Körper. Sensibel erzählt *Für Seka* ein junges Leben, in dem das Politische und das Persönliche untrennbar verbunden sind, eine Geschichte vom Verlassen und Verlassenwerden und von der Frage, was war. (Suhrkamp Verlag)

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