Flimmern im Ohr

Von: Barbara Schibli

Priska, die Heldin und die Ich-Erzählerin in Barbara Schiblis zweitem Roman, unternimmt endlich etwas gegen ihre Hörschwäche. Sie lässt sich ein Innenohr-Implantat einsetzen. Der Roman berichtet detailliert von den Anpassungsschwierigkeiten, die auch weit zurückliegende, teils euphorische, teils traumatische Erlebnisse während der Jugendbewegung der 1980er Jahre wachrufen. Mit ihrem nüchternen, manchmal etwas reduktionistischen Rechenschaftsbericht versucht Priska, ihr aktuelles Leben aus dem Bann der Vergangenheit zu befreien und gewährt überraschende Einblicke, etwa in den schwierigen Umgang mit Gehörlosigkeit. (dm)

Sommer 2010. Während Priska mit ihrem Innenohr-Implantat das Hören so übt, dass die Punkmusik von früher wieder Rausch werden könnte, erschüttert ein politischer Skandal die Schweizer Öffentlichkeit. Wie in den politisch aufgeheizten 1970er- und 80er-Jahren hat der Inlandsgeheimdienst wieder illegal Daten verdächtiger Personen abgegriffen. Auch Priska wurde damals beobachtet. Die neuerliche Fichen-Affäre weckt Erinnerungen an ihre Zeit in der Clubszene und der Frauenbewegung, vor allem aber an Gina, ihr Vorbild, ihre unerschrockene Mitstreiterin und große Liebe, die ebenfalls im Visier des Staatsschutzes war. Über dreissig Jahre später denkt Priska zurück und fragt sich, wie ihr Leben wurde, was es jetzt ist. Mit poetischen Bildern und sanfter Radikalität spürt Barbara Schibli der Frage nach, ob wir mit den Jahren immer mehr wir selbst werden oder uns in Kompromissen verlieren. Und woran wir den Unterschied erkennen. (Dörlemann Verlag)

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