Feuerlilie

Von: Gianna Olinda Cadonau

Vera reist in das Dorf ihrer Kindheit und trifft dort auf den kriegstraumatisierten Kálmán, der seine Erlebnisse verarbeiten möchte. Die beiden nähern sich an, doch Kálmán gibt seine Erfahrungen nur stückweise preis und hält sie hinter den Zimmertüren seines Hauses verschlossen. Auch Veras Schwester, die er bald kennenlernen wird, hat mit offenen und geschlossenen Türen zu kämpfen. Die Tür als Leitmotiv des Textes wird dabei zu sehr ausgereizt, doch Cadonau erzählt mit feinem Gespür und psychologischem Geschick die hoffnungsvolle Geschichte dreier Menschen, die im stetigen Balanceakt zwischen Nähe und Distanz wichtig füreinander werden. (lc)

In einem abgelegenen Bergdorf lernt die Journalistin Vera einen jungen Fremden kennen. Sie schreibt an einem Artikel über rätoromanische Literatur, er hat ein altes Haus geerbt und versucht seine Kriegserinnerungen hierhin zu verbannen. Die beiden treffen sich zu Spaziergängen, essen zusammen in der Dorfbeiz und erzählen sich nach und nach mit wenigen Worten von ihrer Vergangenheit. Kálmán erinnert Vera an ihre ältere Schwester Sophia, die ihrerseits in einer eigenen Welt lebt. Als Sophia zu Besuch kommt, begegnet auch sie dem geheimnisvollen Kálmán, und es entsteht eine überraschende Verbindung, die beide verändert. Mit starken Bildern erzählt Gianna Olinda Cadonau von der Begegnung traumatisierter Menschen. Ein Roman, der ohne Erklärungen auskommt und gleichzeitig Unsagbares sichtbar macht. Ein universelles, beeindruckendes Debüt. Der Roman wurde 2022 mit dem Studer/Ganz-Preis für das beste unveröffentlichte Debütmanuskript ausgezeichnet. (Lenos Verlag)

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