Farantheiner

Von: Patrick Savolainen

In seinem Debütbuch Farantheiner macht sich der 30-jährige Patrick Savolainen daran, einen Trivialroman zu dekonstruieren. Der Cowboy Kat und die schöne Isabelle verstricken sich in eine komplizierte Liaison, die alle Elemente des Kitsches enthält. Savolainen seziert diese Elemente heraus und überschreibt sie mit wilder Experimentierlust neu. Daraus ist ein Text entstanden, der die einfache Erzählperspektive aufsprengt und den trivialen Indikativ um Möglichkeiten und Optionen erweitert. Farantheiner ist experimentelle Literatur, die das Erzählen in Zweifel zieht. (bm)

Wenn man die Schwerkraft geometrisiere, seien die Bewegungen, die unsere Planeten um die Sonne machten, nur scheinbar kreis- oder ovalförmige. Vielmehr müssten sie als Geraden beschrieben werden, da sie den direktestmöglichen Weg dieser Körper um die Sonne bedeuteten. Wie der Apfel, der von Newtons Baum fällt, durch die Schwerkraft nicht von einem möglichen Ideal – am Baum oder in der Luft geisterhaft zu schweben? – abgelenkt werde: Im Fallen würde er sich, den Planeten gleich, auf die Reise seiner Lebens begeben und die geradestmögliche Bewegung ausführen, zu der er auf dieser Erde fähig sei. Oder umgekehrt: Das Umkreisen der Sonne ist ein fortwährendes Fallen und das Sonnensystem eigentlich ein Früchtekorb voller Fallobst. Wenn das Schreiben nun auch, vielleicht um einen unsichtbaren, Stern kreist, sind dann die Bahnen, die es zieht, auch eigentliche Geraden? Die Stationen dieses Buches wären in diesem Fall unter anderem die folgenden: Ein an Bedingungen geknüpftes Testament. Ein Weinberg in den Weiten des nordamerikanischen Kontinents. Cowboys. Das Öffnen von Türen. Das Gehen unter der Sonne. Ein Pferdedieb. Und mitten drin: das »ungezügelte Verlangen«. (Buchpräsentation Die Brotsuppe)

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