Estreme visioni di bianco
Von: Andrea Bianchetti
- Alla chiara fonte, Lugano, 2012
Der 1984 geborene Andrea Bianchetti lässt sich mit junger, doch schon unverwechselbarer Stimme vernehmen. Er scheut auch in den niedrigsten Alltagsbeschreibungen das Wagnis nicht, von der Liebe zu sprechen – trotz allem, wenn auch der Atem manchmal stockt. Drei Teile vereinen insgesamt zwanzig Gedichte, die oft verunsichern und befremden. Zeitlich und räumlich kaum verortet treiben sie mit der Wirklichkeitstreue ihr Verwirrspiel. Gegenwart und Vergangenheit treffen aufeinander, und Bilder entstehen eher im Bereich des Möglichen als in dem der Gewissheit – wie gewiss kann schon das Gedächtnis sein, wenn es der Kindheit nachspürt? Manchmal blitzen jedoch Erkenntnissplitter auf. Intertextuelle Verweise geben dem schmalen Band Konsistenz. Einzelne Teile eines Körpers – der Geliebten? eines Toten? – erscheinen verstreut in den Gedichten und entwerfen das fragmentarische Bild eines kaum mehr menschlichen Wesens.
(rd, übers. rg)