Erstaugust

Von: Lisa Elsässer

Lisa Elsässers Erzählungen sind intensive Auseinandersetzungen mit Fragen nach Herkunft und frühen psychischen Prägungen und Mustern. Die Ich-Erzählerin lotet Beziehungen und Emotionen aus, vor allem diejenige zwischen ihr und der Mutter, was hier ebenso spannend ist wie ein handlungsreicher Plot oder sorgfältig ausgearbeitete individualisierte Charaktere, die man in diesem Band mit zehn Erzählungen und zehn Gedichten vergeblich suchen wird. Emotional vermögen die meisten der Erzählungen zu packen, sprachlich sind sie manchmal etwas sperrig und enthalten den einen oder anderen überflüssigen Kommentar. Die originellen Bilder jedoch überzeugen und machen die Lektüre zu einem Genuss. (Verena Bühler in Viceversa 14, 2020)

Eine Frau macht einen Sprachkurs in London und lernt nur ein einziges Wort. Wie einen gefrorenen See betreten zwei ungleiche Schwestern das Feld ihrer Kindheit und kommen sich im Nebel für immer abhanden. Erst August, denkt das aufs Land verschickte Kind am ersten August und wartet weiter auf Post. In ihren Geschichten verbindet Lisa Elsässer profane Widerstände mit den großen Lebensthemen: Liebe, Sehnsucht, Verlust. Getragen von der poetischen Sprache der Lyrikerin, vorangetrieben von der Lust am Erzählen, erforscht sie blinde Flecken der Kindheit, wagt sie zwanglose Liaisons, die ohne viel Worte auskommen, belauert sie die Existenz des Nachbarn auf dem Balkon gegenüber, die der eigenen verdächtig nahe rückt. Über allem schwebend die Vergänglichkeit, die sich unerwartet, und sei es beim Picknick am See, kristallisiert: »Es kann sein, dass morgen einer von uns allein aufstehen, die Brote allein essen muss. Er muss dann sogar allein leben!« (Buchpräsentation Rotpunktverlag)