Erbgut

Von: Bettina Scheiflinger

In Bettina Scheiflingers Roman Erbgut verflechten sich die Erfahrungen verschiedener Familienmitglieder. Die Zeitebenen vermischen sich, die kurzen Episoden aus dem Leben der verschiedenen Figuren fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen und werfen Fragen nach der Prägung durch die eigene Familiengeschichte auf. Inwiefern bestimmen die Erlebnisse unserer Vorfahren unsere Entscheidungen und Ängste? Und wie werden (potenziell) traumatische Erfahrungen weitergegeben? Denn Spuren, das zeigt Scheiflinger eindrücklich auf, hinterlassen diese so oder so – ob man nun darüber spricht oder nicht. (mg)

Mit einem lauten Schrei erblickt ein Kind das Licht der Welt und ein Lebensweg, dessen Bahnen schon vorgegeben zu sein scheinen, nimmt seinen Lauf. Rund um die Ich-Erzählerin wird ein Netz aus Beziehungen offenbar: vom gewalttätigen Grossvater väterlicherseits, der NSDAP-Mitglied und später Kriegsgefangener war, der Grossmutter mütterlicherseits, die als Tochter von italienischen Gastarbeiter*innen in der Schweiz aufwuchs, bis zu den Eltern, die sich in Bezug auf ihre Vergangenheit in Schweigen hüllen. Als sie erwachsen wird, steht die junge Frau vor der Wahl, welchen Weg sie selbst gehen möchte. Kann sie sich vom unsichtbaren Erbe ihrer Vorfahren lösen? Bettina Scheiflinger setzt in ihrem Debütroman Szenen aus verschiedenen Biografien wie Mosaiksteinchen nebeneinander, bis allmählich sichtbar wird, wie über Generationen Verhaltensweisen, Lebensentwürfe und Traumata weitergegeben werden und mahnend über den Individuen schweben, die um ihre Eigenständigkeit ringen. «Bei meiner Geburt jage ich meiner Mutter einen Schrecken ein. Mich muss man nicht aus ihr herausholen, ich will von selbst aus ihr raus. Ich presse mein Gesicht als Erstes durch den Geburtskanal. Augen voran komme ich zur Welt.» (Verlag Kremayr & Scheriau)

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