En habit de folie
Von: Anne-Claire Decorvet
- Bernard Campiche, Orbe, 2010
Anne-Claire Decorvet, Preisträgerin des Prix Georges-Nicole 2010 für die Novellensammlung En habit de folie behandelt den schmalen Raum, der Gleichgewicht von Umnachtung trennt. Ausgehend von gegenwärtigen Ereignissen verwandelt die Autorin die ursprüngliche Materie ihrer Geschichten äusserst geschickt und sorgfältig, wobei sie ihre Leser auf besonders elegante Art fesselt. Es geht um die negativen Auswirkungen, denen der Geist eines für das Ansehen von Videoüberwachungs-Bildschirmen bezahlter Studenten ausgesetzt ist, oder um die starken Belastungen, die eine am Diogenes-Syndrom leidende Frau verursacht, oder um das Unverständnis, auf das ein Krankenhelfer seitens seiner Nächsten stösst, als er seinen Wunsch nach intimen Beziehungen zu seinen Patienten offenbart. Doch nie verfällt die Verfasserin den Schwächen einer schlecht beherrschten Sensationslust. Ganz im Gegenteil, dank ihrer rigoros aufgebauten und von einer besonders reichen und nuancierten Sprache getragenen Texte überrascht Anne-Claire Decorvet ihre Leser durch die Subtilität ihrer Gedanken und die vielfältigen Tönungen, in denen ihre Novellen erstrahlen.