Eine dieser Nächte

Von: Christina Viragh

Im zwölfstündigen Flug von Bangkok nach Zürich bringt Bill Kovacsics, ein «dauernd quasselnder Amerikaner», mit seinen Erzählungen fünf Mitfliegende trotz anfänglichem Widerstand nicht nur dazu, ihm interessiert zuzuhören, sondern sich auch aktiv einzumischen. Unter ihnen ist die – wie die Autorin – in Rom lebende und aus Ungarn stammende Schweizer Schriftstellerin Emma Dél. Sie sieht im dialogischen Erzählen «in Billmanier» die Möglichkeit, ihre Schreibblockade zu überwinden. Der Roman lässt dem Erzählwildwuchs der Fluggäste eine Fülle aufrüttelnder Geschichten entspringen und reflektiert zugleich das literarische Verfahren, das ihm zugrunde liegt. (dr)

Es ist eine dieser Nächte, die man durcherzählen muss. Das zumindest findet Bill, der auf dem Flug von Bangkok nach Zürich neben Emma sitzt. Bill geht ihr gehörig auf die Nerven. Mit Donnerstimme erzählt er aus seinem Leben – und um sein Leben, und nicht nur Emma, sondern auch andere Passagiere sind gezwungen zuzuhören. Trotz ihres Widerstands werden sie aber alle, Emma, Michael, Stefan, Walter und ein Junge, ja, auch die japanische Familie in der hinteren Sitzreihe, vom Sog der Geschichten erfasst, wobei eigene Geschichten und Phantasien wachgerufen werden. Alle diese Geschichten fügen sich zu einem Reigen, bei dem sich ungeahnte Bezüge und Entsprechungen und ein geheimnisvoller Mittelpunkt her ausschälen. Denn Bill beschwört sprachgewaltig Orte, Leute und seltsame Wesen herauf. Die zwölf Stunden dieser Flugnacht entwickeln einen gefährlichen Reiz – und bekommen nicht allen gleich gut. (Buchpräsentation Dörlemann)

Mehr zu Eine dieser Nächte