Ein Niemand

Von: Daniel Goetsch

«Ich ist ein anderer», schrieb einst Rimbaud. Um wen aber handelt es sich bei einem Niemand? In seinem fünften Roman entführt Daniel Goetsch die Leser in ein existentielles Spiegelkabinett. Tom Kulisch nutzt einen Zufall und schlüpft in die Rolle eines ihm unbekannten Ion Rebreanu, um einer Spur in dessen Leben nachzuspüren. Doch aus dem Spiel wird Ernst, und die beiden Identitäten vermischen sich zu einer Legierung, aus der Tom kaum mehr heraus findet. Auf der Bühne der ökonomischen Transformation in Osteuropa erzählt Ein Niemand eine raffiniert konstruierte Verwirrgeschichte, in der die Wirklichkeit unerlöst bleibt. (bm)

Ein Niemand
Es lief schon besser für Tom Kulisch: Seine Freundin hat ihn verlassen, seine Arbeit als Übersetzer von Betriebsanleitungen treibt ihn in den Wahnsinn und die Nächte werden immer länger – als er eines Morgens Zeuge eines tödlichen Unfalls wird. Eine Verwechslung katapultiert ihn in ein anderes Leben und er läuft Gefahr, sich darin zu verlieren. Als Tom Kulisch von der Notärztin für den Bruder des Unfallopfers gehalten wird, beginnt für ihn ein anderes Leben. Er staunt, wie leicht es ihm fällt, in die Identität des gleichaltrigen Ion zu schlüpfen. Er lebt in dessen schicker Prager Altstadtwohnung und selbst enge Freunde verwechseln ihn. Nur Mascha, Ions Geliebte, lässt sich nicht täuschen. Denn Ion hatte noch ein paar Rechnungen offen: Anscheinend ging er nicht nur leichtfertig mit Frauen um, sondern auch mit Geld und Versprechungen. Doch für einen Rückzieher ist es zu spät, denn keiner glaubt ihm mehr, wenn er behauptet: Ich bin Tom Kulisch. (Buchpräsentation Klett-Cotta Verlag)