Do Re Mi Fa So

Von: Tine Melzer

Ein Mann bleibt nach dem Bad in der Badewanne sitzen. Tine Melzer hat für ihren Roman Do Re Mi Fa So eine sehr spezielle Ausgangslage gewählt. Die eigene Nacktheit verführt den Bariton Sebastian Saum dazu, ohne das Badezimmer zu verlassen, sechzehn Tage lang über die menschliche Bekleidung und über die Zumutungen des Lebens nachzudenken. Zeitgleich mit diesem reizvollen Roman erscheint ein schmaler Essayband, in dem Melzer unter dem Titel Portalsätze sprachliche Gewohnheiten des Alltags genauer unter die Lupe nimmt. (bm)

Sebastian Saum fehlt es an nichts: Er ist ein gefeierter Opernsänger, verkehrt in anregender Gesellschaft und lebt sorgenfrei mit seinem besten Freund Franz im geerbten Familienanwesen. Alles könnte gut so bleiben, wie es ist, bis er eines Abends ein Vollbad nimmt und beschliesst, nicht mehr aus der Wanne zu steigen. Tag um Tag vergeht, und während Franz ihn geduldig und treu bewirtet, gewinnt er nackt und allein Distanz zur Welt. Sein Leben und die Rollen, die er darin einnimmt, werden ihm fragwürdig. Er legt sie ab wie ein Kostüm, wie seine Garderobe, wie alles, was er jemals getragen hat. Und was bleibt übrig, von einem nackten Sänger ohne Publikum, von einem, der von allem immer nur verschont wurde, der immer nur Applaus gesucht hat? Ein Haufen abgetragener Kleider und Schuhe, die er im Kopf sortiert. Und die Frage, was es wert ist, aus der Wanne zu steigen und sich mit den Menschen zu verbinden. Dieses schmale Buch hat es in sich: Mit beisendem Humor und Sätzen von scharfer Eleganz singt es eine Arie auf Verletzlichkeit und Verantwortung, auf Freundschaft und Treue. Ein Kunststück! (Jung und Jung)

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