Die undankbare Fremde

Von: Irena Brežná

Die Autorin und Kriegsreporterin Irena Brežná lebt seit 44 Jahren in der Schweiz. In ihrem neuen Roman Die undankbare Fremde erzählt sie, wie schwer es ist, in einem fremden Land anzukommen. Ihre Romanfigur flüchtet 1968, achtzehnjährig, mit den Eltern aus einem kommunistischen Land in die Schweiz. Im Dialog mit ihrer ebenfalls ausländischen Freundin Mara und in späteren Erfahrungen als Dolmetscherin in Migrationsämtern, im Gericht, im Spital oder in der Psychiatrie reflektiert sie den Umgang der Schweiz mit den Fremden. So hält die Protagonistin ihrer neuen Heimat einen kritischen, zuweilen irritierenden, mokanten und vorwurfsvollen, letztlich aber auch versöhnlichen Spiegel vor. (bm)

Die undankbare Fremde
**Tanz auf der Rasierklinge** »Meine Mutter ist stark wie eine Kakerlake«, sagte der Junge. »Eine Kakerlake zu Hause und eine in der Fremde ist nicht dasselbe«, meinte die Psychologin. »Wir ließen unser Land im vertrauten Dunkel zurück und näherten uns der leuchtenden Fremde.« Im Jahr 1968 beginnt Irena Brežnás Roman, der auf engstem Raum Verletzung und Aufbegehren, Spott und Hohn, schwarzen Humor, Poesie, Menschlichkeit und Versöhnung vereint. Die Erzählerin verschlägt es in die Schweiz, einen sicheren Hafen von bizarrer Saturiertheit, ein von Zäunen verstelltes Paradies voller Ordnungshüter und Kehrmaschinen – zu viel Widerspruch für ein Mädchen wie sie. Schon bei der Einreise wird ihr Name vom Grenzer verstümmelt. Ab dann muss sie gezwungenermaßen unter falscher Flagge segeln und vermisst im kalten, gleißenden Licht der Fremde die unfreie, schmuddelige Geborgenheit der Heimat. Als Heranwachsende rebelliert sie gegen das Gastland, das sie unter seine Regeln zwingt und sie nicht sie selbst sein lässt. Nach vielen Zusammenstößen findet sie einen Ausweg … Wie Mini-Romane, Kondensate paradoxen Lebens, sind Szenen durch das gesamte Buch gestreut, in denen die Erzählerin als Dolmetscherin zwischen Emigranten und Behörden fungiert. Sie trifft auf eine Phalanx von Gestrandeten, die hoffen, etwas aus ihrem Leben machen zu können: Kleine Diebe, Depressive, Schlawiner, Kriegsflüchtlinge, Ausgebeutete, Überangepasste und Naive. So ungeschützt und schonungslos gegen sich und andere hat noch keiner über die Emigration geschrieben – ein kleiner Roman mit großer Sprengkraft, ein Lebensbuch. (Klappentext)

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