die spinne

Von: Eva Maria Leuenberger

Spinnen sind Künstlerinnen, zugleich verkörpern sie das Unheil. In dieser Ambivalenz lässt sie Eva Maria Leuenberger in ihrem mehrteiligen Gedicht die spinne auftreten. Das lyrische Ich liegt auf dem Bett, schaut zur Decke hoch und beobachtet, wie eine Spinne über ihr ein Netz webt. In Gedanken lässt sich das Ich hinwegtragen und den deplorablen Zustand der Welt ins Auge fassen. Doch immer wieder kehrt es zurück zu einem Du, das es liebend anspricht. Leuenbergers Gedicht bleibt in der zarten Schwebe. Es ist Poesie pur, die andeutet, was sich nur schwer ausdrücken lässt. (bm)

Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin Eva Maria Leuenberger ist bekannt für ihre unter die Haut gehenden Texte. In *die spinne* werden alle Schutzhüllen abgelegt und der Realität fest ins Auge geblickt. Etwas Endzeitliches haftet dem Langgedicht an, wenn es die Zerstörung der Natur verhandelt. Ohne jeglichen Moralismus und mit viel Zartheit schildert der Text, was mit dem Individuum und dem Körper geschieht, wenn das eigene Bewusstsein eine kollektive Schuld der Menschen entdeckt. *die spinne* tastet Gefühle von Schuld und Scham, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit körperlich ab. Es stossen starke, mächtige Bilder der Natur und subjektiver Wahrnehmung aufeinander. Innere Empfindung und äussere Eindrücke treten in ein faszinierendes Wechselspiel – und die Spinne ist ein immer präsentes Wesen, eine Zuschauerin des Geschehens. (Literaturverlag Droschl)

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