Die Ränder der Welt
Von: Jens Steiner
- Hoffmann und Campe, Hamburg, 2024
Kristian Aavik, der Protagonist in Jens Steiners viertem Roman, lässt sein Leben in Erinnerungen Revue passieren. Dabei fällt auf, dass er kaum richtungsweisende Entscheide in seinem Leben trifft. Als Künstler ist er ein Beobachter der Welt. Der Sohn estnischer Flüchtlinge wächst in den 1950er Jahren in Kleinhüningen auf und trifft dort auf den dänischen Jungen Mikkel Jacobsen, der sich als unzuverlässiger Freund erweist. Nach einem grossen Vertrauensbruch löst sich Kristian schliesslich von ihm. Das Leben verschlägt ihn nach Argentinien, in die Schweiz und nach Estland, bevor er sich auf den Weg nach Christiansø macht, wo die schwierige frühe Beziehung in einem anderen Licht erscheint. Mit der Figur Kristians hinterfragt Jens Steiner das Lebensmodell der ambitiösen Lebensplanerinnen und -planern, denen heute die öffentliche Aufmerksamkeit gilt. (vb)