Die Nachkommende

Von: Ivna Žic

In ihrem hervorragenden Debüt Die Nachkommende lässt Ivna Žic ihre Protagonistin im Zug durch Europa reisen, von Paris, wo ihr Liebhaber wohnt, über die Schweiz bis nach Kroatien, zu ihren Verwandten. Sie verbringt viel Zeit in Zügen und Bussen und unternimmt dabei gedankliche Reisen in die Vergangenheit. Žic erzählt atemlosen, bildhaft, und obwohl sich vieles im Kopf der Protagonistin abspielt, ist der Text stark in der Realität verhaftet. Die manchmal beinahe körperliche, dichte Sprache und eindrückliche Bilder sorgen dafür, dass in diesem Roman alles unter Spannung steht. Auf feine und doch eindringliche Weise verhandelt er – ohne dass sie je abgedroschen wirken – die grossen Themen wie Liebe, Freundschaft, Identität und Herkunft. (Martina Keller in Viceversa 14, 2020)

Hochsommer. Eine junge Frau reist in einem Zug von Paris nach Kroatien, wo wie jeden Sommer die Familie auf der Großmutterinsel wartet. Sie denkt an den Mann, mit dem sie ein Jahr lang eine Beziehung führte, die nie wirklich anfangen konnte: Der Mann ist ein verheirateter Mann. Ein Maler, der nicht mehr malt. In den fahrenden Zug setzt sich der tote Großvater zu ihr. Auch er ein Maler, auch er hatte aufgehört zu malen. Die zwei abwesend-anwesenden Männer werden zu ihren Begleitern auf einer Reise in die Vergangenheit und die Erinnerung, aus der sich eine Familienerzählung konstituiert. Das Auswandern der Eltern kurz vor dem Krieg in Kroatien hat eine Unzahl von Bewegungen ausgelöst. Aufbrechen, Abbrechen, es scheint eine Familienneigung zu sein, die sich wiederholt, die in Frage gestellt wird. Im Spannungsfeld dieser geographischen und sprachlichen Verschiebungen, in diesen von Geschichte besetzten Räumen, erzählt Ivna Žic in ihrem Debütroman von einer beginnenden Suche, die zugleich das Jetzt und das Damals abtastet. (Buchpräsentation Verlag Matthes & Seitz)

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