Die Chronik des Zeichners

Von: Hannes Binder

In einem Biedermeiersekretär seiner Grossmutter entdeckte Hannes Binder alte Aufzeichnungen. Sie liessen ihn eintauchen ins 19. Jahrhundert und regten ihn an, ein Doppelchronik über seinen Urgrossvater und über sich selbst zu verfassen. Das Ergebnis tut sich durch erzählerischen Eigensinn hervor. Schon von 150 Jahren vollzog sich ein technologischer Wandel, der den Kammacher Schalch bedrohte. Vergleichbar sieht sich heute auch der Zeichner Binder herausgefordert. Beide Prozesse verschlingen sich ineinander zu einem Bilderreigen in schwarz-weiss, der Text und Zeichnung zu einer bestechenden Einheit bringt. (bm)

Die Chronik des Zeichners
Als Hannes Binder Tagebücher und Dokumente seiner Grossmutter findet und liest, lernt er auch seinen Urgrossvater kennen. Dieser wollte Maler werden, doch sein Vater, ein von der aufkommenden Industrie bedrängter Kammmacher, bittet ihn, sich das gut zu überlegen. Auch der erfolgreiche Maler Koller, den er plein air antrifft, warnt ihn vor dem harten Brot der Kunst. Die Dokumente aus dem Schreibtisch seiner Grossmutter bef lügeln des Zeichners Fantasie, er reist in die Vergangenheit, ins neunzehnte Jahrhundert, als der junge Urgrossvater die Kunst liebt und eine Diessenhofener Wirtstochter, als die Industrie das Handwerk bedrängt und die aufkommende Fotografie die Malerei. Und er erinnert sich an seine eigene Jugend als Kunststudent in den Sechzigerjahren mit seinem Aufbruch zu neuen Ufern. Dann kam das Neue in Form der Computer, mit dem jeder Illustrationen fabrizieren kann … Sein Urgrossvater wurde Kaufmann, aber der Zeichner zeichnet noch immer. (Buchpräsentation Limmat Verlag)

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