Der Junge, der den Hauptbahnhof Zürich in die Luft sprengte

Von: Markus Bundi

Es steckt viel Welt in Markus Bundis Erzählband Der Junge, der den Hauptbahnhof Zürich in die Luft sprengte: Fake News, Jobverlust, Altenpflege, Liebeskummer, Geburt und Tod. Die einundzwanzig Erzählungen handeln nicht nur von sich wandelnden Figuren mit ihren Ängsten und Sehnsüchten, sondern auch vom Erzählen selbst. Zahlreiche intertextuelle und poetologische Anspielungen sind mal in grelleren, mal in gedeckteren Farben zu einem Vexierspiel verwoben. Dieses Spiel erscheint so mitunter zwar schablonenhaft, es regt aber auch immer wieder dazu an, den Lauf der Welt und die Konsistenz des eigenen Ichs aufs Neue zu beleuchten und zu hinterfragen. (jpk)

Was hat ein zweijähriger Hosenscheißer der Welt der Erwachsenen um ihn herum voraus? – So ziemlich alles. Warum aber entschließt sich eine ältere Dame, sich künftig als sprechende Puppe zu verdingen? Und was umtreibt den Buckligen, der jeden Tag an derselben Tramhaltestelle den Bettler mimt? – Auf virtuose Weise zeigt Markus Bundi, dass die Motive des einen den Vorstellungen eines andern zuweilen aufs Krasseste zuwiderlaufen. Das gilt nicht zuletzt für den Jungen, der den Hauptbahnhof Zürich in die Luft sprengt, oder den Altenpfleger, der seinen liebsten Patienten verloren hat und jetzt unentschlossen vor dessen Abschiedsgeschenk, einem großen Paket mit unbekanntem Inhalt, sitzt. Wie Markus Bundi den einzelnen Figuren eine Stimme gibt, Leserinnen und Leser auf deren Umlaufbahn bringt, ist bezaubernd und entlarvend zugleich. Ein Schelm, wer sich da nicht selbst auf frischer Tat ertappt. Immerhin so viel steht fest: Einige von uns werden eines Tages im Kollektiv eines riesigen Shopping-Centers aufgehen – und das ist nicht etwa ein Untergang, sondern vielmehr ein Glücksfall! (Buchpräsentation Septime Verlag)

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