Der graue Peter

Von: Matthias Zschokke

Matthias Zschokkes neuer Roman erzählt eine haarsträubende Geschichte: Ein Mann namens Peter, der seinen kleinen Sohn bei einem Unfall verloren hat, trifft im Zug von Nancy nach Basel auf einen fremden Jungen, Zéphyr. Das Kind reist zum ersten Mal alleine und Peter hilft ihm beim Umsteigen in Strassburg. Ein spontaner Zwischenhalt in Mülhausen dehnt sich nach einer Verkettung von Zufällen aus und lässt die beiden im Hotel übernachten. Wie kann das enden? Der graue Peter stellt irritierende Fragen nach Konventionen und Regelbrüchen, nach der grundlegenden Fremdheit, die menschliche Beziehungen charakterisiert. Die nonchalante, unkonventionelle Erzählweise fasziniert und rührt mit ihrer Verbindung von Witz und tiefer Traurigkeit. (rg)

Eigentlich müsste Peter ein unglücklicher Mensch sein, aber der Zufall, oder eine gütige Vorsehung, haben dafür gesorgt, dass ihm ein «Empfindungschromosom» fehlt. Schon seine Eltern kamen ihm vor wie fremde Wesen, und seine Frau, vermutet er, wird er bis an sein Lebensende nicht verstehen. Ihr erstes gemeinsames Kind ist bei der Geburt gestorben, und eines unscheinbaren Tages betritt eine Polizistin Peters Verwaltungsbüro, um ihm zu sagen, dass sein zweiter Sohn von einem Lastwagen überrollt wurde. Sein Leben geht weiter, man schickt ihn nach Nancy, um eine belanglose Grußbotschaft zu überbringen. Als auf der Rückreise eine unvorhergesehene Fahrplanänderung angekündigt wird, vertraut eine verzweifelte Mutter Peter ihren Sohn an. Zéphyr, so heißt der Junge mit der orangefarbenen Schwimmweste, werde in Basel von seinem Onkel abgeholt. Auf der Fahrt versucht Peter dem fremden Jungen ein fürsorglicher Begleiter zu sein. Spontan steigen die beiden in Mulhouse aus, um Zéphyrs Tante (und ihre Carrerabahn) zu besuchen. Stattdessen landen sie in einem winterlich kalten Bach, einem 5-D-Film, der Zéphyr den Magen umdreht, einer Umkleidekabine und für die Nacht in einem Hotelzimmer. Von Unwägbarkeit zu Unwägbarkeit wird Peters Hilflosigkeit Zéphyr gegenüber zarter, ja zärtlicher. Eine schwer fassbare, in Momenten irritierende Beziehung entwickelt sich zwischen den beiden, bis sie doch noch in Basel ankommen und die Reise ein abruptes Ende nimmt. (Rotpunktverlag)

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