Das Schweigen der Agenda

Von: Isolde Schaad

Aufhören! ist das erste Wort in Isolde Schaads neuem Erzählband Das Schweigen der Agenda, und es ist das Leitmotiv: Alle Texte drehen sich ums Aufhören, das Älterwerden und die eigene Endlichkeit. Was tun, wenn die Agenda irgendwann tatsächlich schweigt? Die Grande Dame der Schweizer Literatur erzählt stilsicher, mit Humor und Ironie vom Festhalten und Loslassen, von Lebensgeheimnissen, die mit ins Grab wandern, alten Schriftstellern, die sich an den Ruhm klammern, und Schriftstellerinnen, die im Alter unsichtbar werden. Dabei streift sie auch aktuelle Genderdebatten. Eine vergnügliche und zugleich nachdenklich stimmende Lektüre. (cb)

Auch eine Jugendrevolte bleibt nicht ewig jung, die Revolutionärinnen beginnen die Haare zu färben, dann hören sie damit wieder auf und beugen sich über ihre Patientenverfügung. Sie sitzen am Fenster und schauen von oben auf das Leben, das nicht mehr ihres ist. Es findet in weissen Turnschuhen statt, mit blossen Knöcheln in überlangen Mänteln, Jogging-Dresses und Strickmützen. Seit Jahrzehnten wirft Isolde Schaad ihr Argusauge auf die akuten gesellschaftlichen Vorgänge, ihre eigene Generation eingeschlossen. Ein satirisches Auge, wenn die Bürogemeinschaft, die über vollen Aschenbechern den Journalismus revolutioniert, dann in die Falle der eigenen Fantasie tappt. In kaltem Licht erscheint der frühe Tod der Jahrhundertkünstlerin Sophie Taeuber-Arp, wenn ein lokales MeToo-Komitee ihn als Kriminalfall aufrollt. Ob nun eine ältere Dame am Grab der besten Freundin um die ausbleibenden Tränen bittet oder überm Ozean ein berühmter Grossschriftsteller den ersten Tag nach dem Schreiben begeht, immer erfrischt das Erzählen von Isolde Schaad mit maliziösem Humor und menschenfreundlicher Ironie. Und dazwischen funkt als Warnung vor der ausbleibenden Genderkorrektheit die allerneueste Auflage des Grossen Duden. (Limmat Verlag)

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