Das Leben ist die grösstmögliche Ruhestörung

Von: Julia Kohli

In Julia Kohlis zweitem Roman Das Leben ist die grösstmögliche Ruhestörung (Lenos Verlag) bricht die 57-jährige Kulturmäzenin Matylda Żelichowska in der Zürcher Galerie ihrer Freundin Antonia zusammen und wacht erst im Krankenhaus wieder auf. Der Arzt diagnostiziert eine Altersanorexie, die Freundin eine Depression. Matylda will eigentlich nur ihre Ruhe, doch es gerät einiges in Bewegung: Sie begibt sich in eine Gruppentherapie, reist zu ihrer Tante nach Warschau und entdeckt einen Kunstraub. Nach ihrem Romanerstling Böse Delphine (Studer/Ganz-Preis 2018, Lenos Verlag 2019) gelingt Julia Kohli erneut eine unterhaltsame Geschichte und eine Ich-Erzählerin, deren kluge, witzige und böse Bemerkungen über die Gesellschaft und das Kulturmilieu ins Schwarze treffen. (rg)

Matylda Żelichowska, achtundfünfzig, ist nach ihrer Scheidung Multimillionärin geworden. Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich, ist eine schillernde, manchmal nervige, sensible, phantasievolle, aber auch selbstkritische Person. Nachdem unvorteilhafte Bilder über sie in der Klatschpresse erschienen sind, erleidet sie einen psychischen Zusammenbruch und verkriecht sich in ihrer Luxuswohnung. Auch mit ihrer besten Freundin, der Galeristin Antonia, gerät sie in Konflikte. Täglich tröstet sie sich mit der Beobachtung des Flusses, der unter ihrem Fenster vorbeifliesst, giesst ihre Pflanzen, isst wenig, trinkt viel Alkohol. Ab und zu vergibt sie Gelder durch ihre Stiftung zur Förderung von Kunst und Literatur. Die Arbeit ermüdet und langweilt sie. Zuweilen wandert sie nachts durch die Stadt und wird dabei Zeugin seltsamer Machenschaften. Um der wachsenden Einsamkeit zu entfliehen, reist Matylda in ihr Heimatland Polen. Der Besuch bei ihrer Tante und die Spurensuche im Schatten der Vergangenheit ihrer Familie gestalten sich schwierig. Nichts ist mehr so, wie sie es sich vorgestellt hat. Matylda muss sich endlich ihren Dämonen stellen. (Lenos Verlag)

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