Er klappte das Buch zu. Das war der Vorteil der Bücher, er konnte sie zumachen, wenn ihm das Leben in ihnen zu viel wurde. Dann nahm er sich ein anderes vor und las zum Beispiel von jener keuschen Nonne, die nie aufs Klo ging, vor ihrem Gott auf den Knien rutschte, ihn um Erlösung bittend, und schliesslich so viele harte Steine kackte, dass sie aus ihnen eine Kapelle errichten konnte. - Mein Vater legte eine regelrechte Sammlung all dieser herrlichen Geschichten an, stöberte in den paar Antiquariaten der Stadt verstaubte Drucke auf und fand sich, als er dann für ein Jahr in Paris lebte - in den zwanziger Jahren -, in einem wahren Paradies wieder.
(Urs Widmer, _Das Buch des Vaters_, Zürich, Diogenes, 2004)