Das alte Haus. La chasa veglia

Von: Oscar Peer

In seiner Erzählung – vom Autor zweisprachig auf Deutsch und Rätoromanisch verfasst – schildert der Engadiner Oscar Peer den unheilen Zustand der heilen Alpenwelt. Chasper Fluris Vater wird zu Grabe getragen, dem Sohn bleiben seine Schulden, die er nicht bezahlen kann. Während er verzweifelt versucht, Geld zu leihen, um das Elternhaus zu behalten, behindert der Gemeindepräsident Lemm diesen Plan. Er erkennt, dass das alte Haus mit Gewinn zu verkaufen wäre. Chasper sträubt sich, doch niemand will oder kann ihm helfen, so entfremdet er sich immer mehr von der dörflichen Gemeinschaft. Dieser Prozess findet subtil im Verborgenen statt. Offen flackert der Konflikt nur einmal auf, als sich Lemm und Chasper prügeln. Auch wenn dieser den Kampf gewinnt, hat er am Ende keine Chance. Das Glück ist für Chasper bloss eine Erinnerung: an die Familie, früher, als Mutter noch lebte und sein Bruder Domenic noch nicht verschollen war. Oder an Johanna, die er vor Jahren zwischen den Heuballen in den Armen hielt.
Oscar Peer schildert diese einfache, ländliche Geschichte mit nüchterner Genauigkeit. Die widerstreitenden Gefühle werden dabei stets in Handlung übersetzt, keine der Figuren reflektiert über ihren Horizont hinaus. Diese betonte Einfachheit verleiht der Erzählung Intensität und Glaubhaftigkeit: eine existentielle Tiefe. Chasper kann am Schluss nur alle Brücken hinter sich abbrechen. (bm)

Das alte Haus. La chasa veglia

Rätoromanisch und deutsch, neu herausgegeben und mit einem Nachwort von Mevina Puorger

Gisep Fluri versinkt in Melancholie, nachdem sein leichtsinniger Sohn Domenic nach einem Streit spurlos verschwindet und kurz darauf seine Frau stirbt. Abends sitzt er im Gasthaus und trinkt Cognac, den er sich gar nicht leisten kann. Lemm, der Wirt und Gemeindepräsident, schreibt an. Als Gisep Fluri stirbt, hinterlässt er seinem jüngeren Sohn Chasper ein überschuldetes Heimwesen, das Lemm bereits als seines betrachtet. Chasper versucht, Geld aufzutreiben, er will in dem alten Haus der Familie bleiben. Johanna, seine grosse Liebe, die inzwischen mit einem anderen Mann verlobt ist, will ihm helfen. Der Wirt schickt Betreibungen, Touristen besichtigen ungefragt das Haus. Aber noch gibt Chasper nicht auf … Eindrücklich schildert Oscar Peer, wie sich die Menschen in dem kleinen Dorf gegenüber dem unschuldig ins Unglück geratenen Chasper verhalten. Und er beschreibt die Gefühle, die Chasper im Kampf um sein Haus durchlebt. (Klappentext Limmat Verlag)

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