Charlotte Delbo
Von: Ghislaine Dunant
- Grasset, Paris, 2016
In Ghislaine Dunants Monumentalwerk überlagern sich konstant mehrere Sprach- und Realitätsebenen: Literatur, Textanalyse, objektive Tatsachen und Gefühle, Sinneseindrücke und Gedanken der Charlotte Delbo, in Dunants empathischer Vorstellung. Dies alles verschränkt sich während der gesamten Suche nach dem «wiedergefundenen Leben», so der symbolische Untertitel. Die franko-schweizerische Autorin beleuchtet vor allem Charlotte Delbos literarisches Unterfangen: eine Mythologie zu schaffen, die dem vergänglichen Zeugnis entrinnen könnte, indem sie die Erfahrung des Konzentrationslagers «vor Augen führt», sie in Bewusstsein verwandelt. Ihr Porträt zeigt ausserdem eine etwas gespaltene Persönlichkeit, die Freundschaft und Liebe erfährt, die schönen Dinge des Lebens liebt, sich für die Künste interessiert und an den ästhetischen und politischen Debatten ihrer Zeit beteiligt. Im Verlauf der 600 Seiten entsteht eine intensive Begegnung zwischen einer schmerzerfüllten Autorin und ihrer sensiblen Biographin. (fd, Übers. rg)