Bruchpiloten

Von: Claudia Walder

Ein Flugzeug zerschellt am Berg oberhalb des Dorfs. Der schwerverletzte Pilot wird geborgen und in einem der Bauernhäuser gepflegt. Die Mutter, ihre Kinder und schliesslich ihr Mann machen das Beste daraus und geben ihrer Sehnsucht freien Raum. Claudia Walder gelingt es, diese ganz und gar unspektakuläre Geschichte mit einer Schlichtheit und Reife zu erzählen, die schnell darüber hinwegtäuscht, dass es sich um eine einfache Begebenheit aus vergangener Zeit handelt. Es geht ums Ganze, steht zwischen den Zeilen: um das Sehnen und das Pflichtbewusstsein. Und um ihr Gleichgewicht. Das ist überzeugend schön erzählt, mit einem leichten Zug ins Märchenhafte, in dem das Exemplarische steckt. Wie halten wir es mit unseren Träumen? (bm)

Der Pilot ist abgestürzt auf dem Hang über dem Dorf. Der Vater und die Knechte haben ihn aufgesammelt, seinen zerschundenen Körper in Mutters Stube getragen. Die Mutter pflegt den Piloten, der im Fieberschlaf spricht. Wenn der Pilot träumt, träumt er vom Fliegen, und seine Worte wecken in der Mutter die Sehnsucht. Nach dem Fliegen, nach dem Fortgehen. Aber die Mutter hat ein Leben im Dorf, am Berg, auf dem Hof. Sie hat eine Familie, hat den Vater, ihren Garten, ihre Hühner. Doch ihre Träume lassen sich nicht so leicht aussperren, sie schleichen sich ins Herz wie der Fuchs in den Hühnerstall. (Die Brotsuppe)

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