blau der wind, schwarz die nacht.

Von: Anna Stern

Leicht macht uns Anna Stern den Zugang zu ihrem Roman blau der wind, schwarz die nacht. nicht gerade – im Gegenteil, die von Figuren, Handlungssträngen und Motivreihen überbordende, verklausulierte Erzählweise droht geradezu, den Blick auf die literarischen Qualitäten des Textes zu verstellen. Aber wie die emotional verstörenden Familien- und Freundschaftserzählungen des kritischen Zeitromans – Burn-Out, Klima-Angst, Kindestod – hier Schritt für Schritt der ambivalenten Empfindung einer minutiös beschriebenen, in sich selbst versunkenen Seelenlandschaft weichen, ist beeindruckend. (tl)

Was soll die Ärztin Hannah mit den vier Wochen Zwangsferien anstellen? Zwischen Job und Kindern aufgerieben, weiss sie nun nichts mit sich anzufangen. Währenddessen folgt Rosette einer mysteriösen Einladung und erlebt ein aufregendes Abenteuer in einem Luxusresort. Hannahs Ex-Mann Lukas verliert sich dagegen nach einem misslungenen Kinderausflug zunehmend im Livestream eines alaskischen Nationalparks. Dann löst Hannahs Begegnung mit der Patientin Alva eine Folge von Ereignissen aus, die die beiden jungen Frauen zu einem Ausloten der Grenzen zwischen Ich und Du, zwischen Wahn und Wirklichkeit verleiten: Grenzen, die immer mehr zu verwischen drohen. Mit einem scharfen Blick für die Brüche und Grenzüberschreitungen in zwischenmenschlichen Beziehungen verdichtet Anna Stern in den vorliegenden Texten ihr Werk nochmals stark. In dieser mehrdimensionalen Identitätssuche stehen die Kapitel für sich, doch die Figuren, die Fäden, die in den Seiten von Alvas Notizbuch gespannt werden, hängen zusammen und schaffen – thematisch, sprachlich und atmosphärisch – ein grosses Ganzes. (Lectorbooks)

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