Bezüglich der Schatten

Von: Levin Westermann

Eine verblüffende Nähe dazu bezeugen die Gedichte von Levin Westermann. Sein dritter Lyrikband heisst bezüglich der schatten. Er umfasst zwei Teile, in deren erstem der Autor mit epischem Atem von Spähern erzählt und von Flüchtlingen, die kalte Winternächte durchstreifen, «für sich allein» auf der Suche nach einer Hoffnung. Levin Westermann versteht es gekonnt, eine atmosphärisch dichte, angespannte Stimmung zu schaffen, in der sich menschliches und mythisches Bewusstsein subtil überlagern. Er verfügt über eine poetische Sprache, die jederzeit geschmeidig und zwingend anmutet, auch wo sie ins Offene zielt und die unheiligen Engel vom Himmel holt. (bm)

Wir folgen einem Fuchs durch die Dämmerung der Welt. Wir hängen im Fels. Der Haken, der uns hält, ist rostig rot. Ein Mammut schließt die Augen, die Käfigtür steht offen und die Engel haben Angst. «Sie fliegen / und fallen, fliegen / und fallen, / prallen / unausweichlich / immer wieder / auf das Eis.» Levin Westermanns Gedichte befragen die Trauer, sie bewegen sich durch Räume, in denen Meere steigen und Küsten verschwinden, die Erinnerung verschwimmt. «Ich habe / keinen Namen, habe keine Stimme, habe nur zu tun, / was man mir sagt.» Ein Sarkophag senkt sich auf das Haus des Admetos und wer trägt jetzt die Schuld? Denn auf den Verlust folgt immer: die Schuld. Was hätte sein können? Und was kam vor dem Fall? «du legst die hände / flach auf den tisch. / du sitzt / ganz still und langsam / wird es hell.» (Präsentation des Lyrikbandes, Matthes & Seitz)

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