Ben Kader
Von: Daniel Goetsch, Übersetzung: Christine Theumann-Monnier
- L’Aire, Vevey, 2010
Ben Kader ist die fest in ihrer Epoche und in der Zeitgeschichte verankerte Erzählung eines 1968 geborenen Autors, der schon mehrere Fiktionen in deutscher Sprache veröffentlicht hat . Der Zürcher Daniel Goetsch schreibt dieses Mal über eine noch offene - und vielleicht unheilbare - Wunde in Frankreichs Vergangenheit: Folterei während des Algerienkriegs. Die Hauptperson des Buches entdeckt wie sein Vater, ein Orientalist, sich inmitten dieses Konflikts wiedergefunden hat und zum Folterknecht wurde. Diese Enthüllung und die abstossenden Bilder, die damit einhergehen, werfen ein Dämmerlicht auf die Vaterfigur; die Gewissheiten des Sohns und sein Alltag geraten ins Wanken. Daniel Goetsch schreibt die Chronik dieser Erschütterung, dieser existenziellen Infragestellung ausgehend von zwei Schlüsselmomenten im Liebesleben der Hauptfigur - die Abreise seiner Gefährtin und ihre Rückkehr. Engagiert und intimistisch ist sein Roman zugleich auch eine wunderschön bissige Satire der Betriebswelt, wo der Wunsch, ein Team zusammenzuschweissen, in Tyrannei mündet.