Balg

Von: Tabea Steiner

Die Literaturvermittlerin Tabea Steiner schildert in ihrem ersten Roman den Werdegang eines schwierigen Kindes im dörflichen Milieu. Sie reiht kurze, detailreiche Episoden aneinander, die alle im Präsens gehalten und aus den strikt subjektiven Perspektiven der Hauptfiguren erzählt sind. Mit kenntnisreicher Einfühlungsgabe zeigt sie, wie der junge Tunichtgut in immer unlösbarere Konflikte verstrickt wird, obwohl ihm eigentlich niemand Böses will. Wirklich als Mensch wahrgenommen wird er allerdings nur von einem alten Mann, der ihn vor dem endgültigen Absturz bewahrt. (Felix Schneider in Viceversa 14, 2020)

Der Traum vom Familienidyll auf dem Land erweist sich für Antonia und Chris als trügerisch. Der Alltag mit Kind ist anstrengender als erwartet und zu den Gefühlen von Isolation und Überforderung gesellt sich eine zunehmende Entfremdung. Das Paar trennt sich und Antonia sorgt fortan alleine für Timon. Sie droht im tristen, von Armut geprägten Alltag unterzugehen und kümmert sich nur halbherzig um ihren Sohn. Timon wehrt sich immer verzweifelter gegen diese Vernachlässigung, doch niemand erkennt den Hilferuf; Timon wird nur noch stärker ausgegrenzt. Einzig der ehemalige Lehrer Valentin, der sich im Dorf, wie Timon, zugleich eingeengt und ausgeschlossen fühlt, findet Zugang zu dem Jungen. Zwischen den beiden wächst ein fragiles Vertrauen, das von den Dorfbewohnern misstrauisch beäugt wird. In einem kunstvollen Spiel der Perspektiven beleuchtet Tabea Steiner eindrücklich die schleichende Eskalation zwischen Timon und Antonia sowie die zögerliche Annäherung zwischen Valentin und Timon. In kurzen Szenen werden subtile Entwicklungsschritte präzise eingefangen. Jedes gesagte Wort, jede Geste zählt und das Ungesagte wiegt schwer. (Buchpräsentation Edition Bücherlese)