Antonia
Von: Maria Rosaria Valentini
- Capelli, Mendrisio, 2010
Antonia ist der dritte Roman der Dichterin und Schriftstellerin Maria Rosaria Valentini, Wahltessinerin, geboren 1963 in der italienischen Provinz Frosinone. Nach dem Vorbild seiner geliebten Vulkane hat Ciarli einen Mantel aus Einsamkeit und Menschenfeindlichkeit um sich geschaffen, unter dem das Lava eines Lebens fliesst, das keinen Ausgang gefunden hat. Als der Grossvater stirbt, muss er in das Dorf seiner Kindheit zurückkehren, wo seine geliebte Cousine Antonia ihm helfen wird, die fehlenden Mosaiksteine ihrer Familiengeschichte zusammenzutragen und die Gefühlsbanden neu zu definieren : dadurch wird die Zukunft endlich möglich. Gewandt flicht Valentini in dem schmalen Band eine dichte Handlung : Emigration, Gewalt, weibliche Befindlichkeit, Homosexualität, latenter Inzest. Auch stilistisch ist das Unterfangen ambitioniert : Zwei Figuren (Ciarli und Antonia) erzählen dasselbe Geschehen aus zwei verschiedenen Blickwinkeln, dazu kommen die Gegenwarts- und die Vergangenheitsperspektive und die Polyphonie der Nebenfiguren. Das Schreiben versucht diese Vielstimmigkeit wiederzugeben, wobei die ideologische Voraussetzung – die Frauen als alleinige Besitzerinnen einer Art sinnlichen Weisheit – die männlichen Stimmen ihres Gegenparts beraubt.