Ángeles
Von: Reynald Freudiger
- L'Aire, Vevey, 2011
Nach seinem ersten Roman La mort du prince bleu ("Der Tod des blauen Prinzen", 2009), dessen unausgeglichene Art noch nicht ganz zu überzeugen vermochte, begeistert der waadtländische Autor Reynald Freudiger nun vollends mit Àngeles. In seinem speziellen Ton öffnet der Erzählband eine ganz eigene Welt: Zahlreiche und unterschiedliche Engel durchziehen die elf Geschichten, die im lebhaften Lateinamerika spielen, von Aberglaube und Gewalt bestimmt, bevölkert von Legenden und ungewöhnlichen Visionen. Erzählform ist der Monolog, in einer Mischung von Empathie und Sarkasmus, die oft in schwarzen Humor umschlägt.
Echt oder unecht, mit angeklebten Federn oder aus Plastik, kitschig oder vergeistigt, unterstreicht die Präsenz der Engel die stilistische Nähe zur lateinamerikanischen Literatur und ihrem magischen Realismus. In den ersten Seiten zündet eine Abtreiberin tausend und eine Kerzen an für die tausend und einen Engel, die sie «gemacht» hat, und die sich "da hoch oben langweilen". In den letzten Seiten wird ein Mann getötet, weil er keine Geschichten mehr zu erzählen hat. So tanzen Leben und Tod eng verschlungen in diesem Erzählband, der vor allem von Intoleranz und von der Beziehung zum Anderen spricht.
(ev, Übersetzung von rg)