Ameisen fällt das Sprechen schwer

Von: René Frauchiger

Wie würden wir reagieren, wenn wir auf einmal alles vergessen hätten: Namen, Adresse, Freunde, Arbeitsort? René Frauchiger spielt diese ungemütliche Situation mit seinem Protagonisten durch. Peter Haller verliert eines Tages, auf dem Heimweg im Zug sein Gedächtnis. Plötzlich ist alles wie leergefegt. Ohne dass es jemand bemerken sollte, versucht er sich in seinem Leben neu einzurichten. Dabei beschleichen ihn zunehmend Zweifel, ob er wirklich so leben möchte, wie er gelebt hat. Mit Witz stellt der kurze Roman nicht nur Peter Haller auf die Probe. Die Frage, welches Leben wir uns wünschen, fordert auch die Lesenden heraus. (bm)

Ameisen fällt das Sprechen schwer ist eine Geschichte über einen ganz normalen Menschen, der sich durch sein ganz normales Leben schlägt, ohne zu wissen, wer er eigentlich ist. Peter Haller sucht das Büro, in dem er seit über zehn Jahren arbeitet. Am Tag zuvor hat er sein Gedächtnis verloren, und niemandem etwas davon erzählt. Was arbeitet er eigentlich? Er kennt die Namen der Mitarbeitenden nicht, weiss nicht, wen er hier kennt, wen nicht. Langsam geht er den Gang hinunter, wie er es in den letzten zehn Jahre unzählige Male getan hat. Wie lautet das Passwort zu seinem Computer? Hat er heute einen Termin? Nein, nein, die Tür von meinem Büro ist sicher angeschrieben, denkt sich Haller. Irgendwie wird das schon gutgehen. – Peter Haller versucht sich in seinem Leben zurechtzufinden. Er lernt seine Freunde erneut kennen, auch seine Freundin. Er beobachtet, hinterfragt und weiss am Ende mehr über seine Arbeit, als das Peter Haller vor dem Gedächtnisverlust darüber wusste. Doch Hallers Zustand verschlechtert sich. Zusehends verliert er den Kontakt mit der Realität. (Knapp Verlag)

Mehr zu Ameisen fällt das Sprechen schwer