Alles war

Von: Esther Spinner

Schwindel befällt die Ich-Erzählerin Sophie seit einiger Zeit, der Boden schwankt ihr unter den Füssen. Sie muss ihre kranke Mutter ins Altersheim bringen und die Wohnung im Zürcher Seefeld auflösen, in der sie aufgewachsen ist. Erinnerungen tauchen auf, Fragen stellen sich erneut: Weshalb verschwand Sophies Vater, als sie drei Jahre alt war? Was verband die Mutter mit den drei «Onkeln» Vik, Sip und Leib? Präzise und einfühlsam beschreibt die Autorin die Zwischenkriegsgeneration, das Leben im Zürich der 50er- und 60er-Jahre und im heutigen Rom.  Alles war ist ein Buch über brüchige Beziehungen, über Verlust und Schwindelei, aber auch über die Möglichkeit, Verpasstes doch noch erlebbar zu machen – dank der schwindelerregenden Macht der Literatur. (rg)

Alles war
Die kleine Sophie wächst vaterlos, dafür mit Mutter, Grosseltern und Haushaltshilfe im Dämmerlicht einer herrschaftlichen Wohnung im Zürcher Seefeld auf – und mit der stetigen Präsenz eines Trios von Onkeln, Vaters besten Freunden. Trotzdem schmerzt Sophie die Lücke, auf ihre Fragen nach dem unerklärlichen Verschwinden des Vaters erhält sie von ihrer Mutter nur ausweichende Antworten, ahnt Flunkereien und verliert sich in Fantasien. Jahrzehnte später – Sophie hat sich längst in Rom niedergelassen – muss sie ihre kranke Mutter ins Pflegeheim bringen und die elterliche Wohnung auflösen. Erneut taucht sie in die Welt ihrer Kindheit ein, versucht dem ungelösten Rätsel und auch ihrem eigenen Leben auf die Spur zu kommen. Dabei enthüllt sich ihr Facette um Facette die Persönlichkeit der Mutter, die – nach aussen eine unemanzipierte Idealfrau der 50er-Jahre – zäh um ihren Lebenstraum kämpft. Ein Buch, das packend die Annäherung der Tochter ans Geheimnis der Eltern erzählt und gleichzeitig ein Bild der Atmosphäre des damaligen Zürich und des heutigen Rom vermittelt. (Buchpräsentation Edition 8)

Mehr zu Alles war