Otto F. Walter
Otto F. Walter wurde am 5.6.1928 als Sohn eines Verlegers, als jüngstes Kind neben acht Schwestern, geboren. Die zweitälteste, Silja, wurde eine früh erfolgreiche Dichterin und später Nonne. Seine Kindheit verbrachte Walter in Rickenbach (Kanton Solothurn). Frühzeitig brach er das Gymnasium in der Klosterschule Engelberg ab, um eine Buchhändlerlehre in Zürich zu absolvieren. Ab 1956 war er Leiter des literarischen Programms im väterlichen Verlag in Olten, welches er mit anspruchsvollem Inhalt betreute. Schon bald hatte er Auseinandersetzungen mit der Verlagsleitung. 1966 kam es zum Bruch und zur fristlosen Entlassung. Anschliessend war er im Luchterhand Verlag Leiter des literarischen Programms, dann Verlagsleiter. 1973 kehrte er in die Schweiz zurück und war noch bis 1982 als Aussenmitarbeiter tätig. Seither war er freier Schriftsteller. Otto F. Walter starb am 24.9.1994 in Solothurn.
Trotz einer ausgeprägten Neigung zur Utopie ist Otto F. Walter in seinem Schreiben Realist: das fiktive Jammers seiner Romane ist eine Stadt am Jurasüdfuss, wie er sie aus eigener Erfahrung kennt. Sein erstes Buch Der Stumme (1959) wurde nicht zuletzt dieser Nähe wegen als Ereignis aufgenommen. Im Roman Herr Tourel (1962) verliert Jammers seinen ländlichen Charakter. Die Verwilderung (1977) schildert die Zeit in der Utopisches einem Kollektiv übertragen wird: junge Leute versuchen nach eigenen Vorstellungen und frei von Zwängen zu leben. Mit Geschichte im engeren Sinn befasst sich das umfangreiche Werk Zeit des Fasans (1988). Beispielhaft sachlich und poetisch zugleich, Montage und Erzählung kombinierend, entwirft der Autor darin eine neue Sicht der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. In Walters letztem Werk, der Erzählung Die verlorene Geschichte (1993), leidet die Hauptfigur Polo nicht an materieller Not, sondern an seiner Einsamkeit, und ist hilflos der allgemeinen Orientierungslosigkeit und seinen gegensätzlichen, unkontrollierbaren Wünschen und Trieben ausgesetzt.
Der Stumme. München: Kösel, 1959 Herr Tourel. München: Kösel, 1962 Elio oder Eine fröhliche Gesellschaft. Stück in drei Akten mit Vor- und Nachspiel. München: Kösel, 1965 (Uraufführung: Schauspielhaus Zürich, 1965) Die Katze. Uraufführung: Zürich Schauspielhaus, 1965, Regie: Kurt Eberhardt Die ersten Unruhen. Ein Konzept. Reinbek: Rowohlt, 1972 Die Verwilderung. Reinbek: Rowohlt, 1977 Wie wird Beton zu Gras. Fast eine Liebesgeschichte. Reinbek: Rowohlt, 1979 Das Staunen der Schlafwandler am Ende der Nacht. Reinbek: Rowohlt, 1983 Gegenwort. Aufsätze, Reden, Begegnungen. Hrsg., Nachbemerkung und Bibliographie von Giaco Schiesser. Zürich: Limmat, 1988 Zeit des Fasans. Reinbek: Rowohlt, 1988 Auf der Suche nach der Anderen Schweiz. Küsnacht / Zürich: Edition Kürz, 1991 Die verlorene Geschichte. Erzählung. Reinbek: Rowohlt, 1993,