Clementina Gilly

Clementina Gilly wurde am 26. April 1858 in Modena geboren, wo ihre Eltern Geschäfte und Gutsbetriebe besassen. Sie war eine Tochter von «Randulins», von Auswanderern, die – wie die Schwalben – immer wieder nach Hause zurückkehrten. Als Mädchen besuchte sie während zwei Wintern die romanische Schule in Zuoz. Den Rest der Schulzeit absolvierte sie in einem englischen Institut in Padua. Sie blieb bis 1875 in Italien; dann kehrte sie definitiv ins Engadin zurück. Nach dem Tod ihrer Eltern war sie zehn Jahre lang (1875–1885) Posthalterin in Zuoz. Dann wurde sie Assistentin von Professor Anton Vellemann für die Erarbeitung der «Grammatica ladina» (1915–1924). Sie beteiligte sich auch am «Ladinischen Notwörterbuch» von Vellemann (1929) und am deutsch-romanischen Wörterbuch von Reto R. Bezzola und Rudolf O. Tönjachen (1944). In diesen Wörterbüchern sind viele Artikel mit Gillys Pseudonym Clio gezeichnet. Im Jahr 1909 präsentierte sich Clementina Gilly erstmals unter diesem Pseudonym als Schriftstellerin. Im Laufe der Jahre war sie Mitarbeiterin in Redaktionen und Verlagen von Zeitungen und Kalendern. Ihre grossen Sprachkenntnisse liessen Clementina Gilly zu einer wichtigen Vermittlerin deutscher, aber auch italienischer und englischer Literatur an das romanische Publikum werden. So wurden von ihr unter anderem Werke von Heinrich Federer, Jeremias Gotthelf, Maria Waser und Conrad Ferdinand Meyer ins romanische Idiom Puter übersetzt und in verschiedenen Periodika wie Fögl ladin, Chalender ladin oder Chasa paterna veröffentlicht. Ein Band von fünfzig ihrer eigenen Gedichte sowie mehr als zwanzig Übersetzungen erschien 1926. Clementina Gilly blieb unverheiratet; sie verstarb am 21. November 1942 in Zuoz.

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